Das DelphinBuch 10
Kein Wunschtraum mehr, sondern greifbar nah: Das DelphinBuch 10 erscheint noch im Jahr 2010!
Der 10. Band der Konstanzer Beiträge zu Geschichte und Gegenwart bleibt sich treu. In bewährter Mischung wird er wieder alle Merkmale eines bibliophil gestalteten Buchs mit abwechslungsreichen Inhalten aufweisen, um der stetig gewachsenen Lesergemeinschaft, die vom Fachhistoriker bis zum historisch interessierten Laien reicht: Sach-, Fach- und Lesebuch in einem zu sein! Zahlreiche Abbildungen werden erstmals veröffentlicht
Auch Das DelphinBuch 10 ist wieder dem „Blick über den Zaun“ verpflichtet, gerade in einer Zeit, in der die Irritationen „herne und derne“ zuzunehmen scheinen. Wir steuern dem ganz bewusst entgegen und machen hier gleich einmal bekannt mit dem betreffenden grenzüberschreitenden Teil des Buchs:
Die Höhe von Bernrain hatte es uns schon in Band 9 angetan. Brigitte Regler-Bellinger bleibt dem genius loci treu, wenn sie Spuren der lieblichen Stätte im grafischen und lyrischen Werk des schwäbischen Dichters Eduard Mörike entdeckt, der seinen Traum von einem Mädchenpensionat zwar nicht erfüllen konnte, aber am liebsten in Egelshofen heimisch geworden wäre. Nebenbei fällt noch ein Streiflicht auf die Freie Evangelische Kirche und den berühmten Pfarrer Karl-Friedrich Steiger.
Vom Seerücken oben, nämlich von Kurzrickenbacher, Egelshofer und Tägerwiler Gemarkung kam auch das lebenswichtige Nass für das mittelalterliche Konstanz. Seewasser tranken die Bodensee-Städter nicht, sondern versorgten sich ab 1436 bis weit ins 19. Jhdt. mit Frischwasser aus dem Thurgau. Akribisch und allerlei Neues entdeckend geht Gernot Blechner der über ein halbes Jahrtausend bestehenden Konstanzer Wasserversorgung aus dem Thurgau nach.
Nicht weit von einer der Quellen (Käsbachtobel) entfernt, am See unten in Bottighofen, sprudelt eine andere historische Quelle für unsere Rubrik „Erlebte Zeitgeschichte“: Magdalena Munz-Schaufelberger wächst in einem politisch wachen Lehrer- und Schriftstellerhaus heran und erlebt NS-Diktatur und Kriegsjahre als Heranwachsende an verschiedenen Orten in der vermeintlich sicheren Schweiz, immer begleitet von dem wachsenden Angstgefühl der Bedrohung. Ihre Unvoreingenommenheit gegenüber „de Schwobe“ und ihr leidenschaftliches Bekenntnis gegen jedes Vergessen und jeglichen Krieg sollen nicht unbeachtet bleiben.
Aber auch wer „die dusse“, also „uns herne“, nicht so gut leiden konnte, hat Großes für Kreuzlinger und Konstanzer geleistet und bekommt in diesem Buch viel Raum: Am Ende seines Lebens hatte der zeitweilige Feuerwehrkommandant von Kreuzlingen seiner Stadt die Fotosammlung Hans Weltin mit über 9000 Aufnahmen von abgerissenen, sonstwie abgegangenen oder veränderten und an der Stelle neu errichteten Gebäuden hinterlassen. Die heute im Museum Rosenegg befindliche Sammlung wird konservatorisch betreut von Thomas Brütsch, der für unser Buch eine Auswahl zusammenstellte und sachkundig kommentiert. Die Bilder werden für „Eingeborene“ wie Zugezogene hüben wie drüben Aha-Erlebnisse zu Hauf bieten.
Konstanz erhielt 1931 einen attraktiven Golfplatz bei Egg vor der Mainau. Wettbewerbe mit internationalem Publikum wurden ausgespielt. 1944 weideten dort Schafe, Rekruten betrieben Wehrertüchtigung. 1945 führten marokkanische Truppen Reiterspiele vor. 1946 baute man Kartoffeln an. Heute ist dort der Parkplatz der Mainau. Was war passiert? Der Bericht von Joachim Schneider erzählt die kurze Geschichte des Konstanzer Golfplatzes vor dem Hintergrund der relevanten Geschehnisse im Nazi-Regime in Deutschland und Konstanz.
Auf Spurensuche nach ehemaligen wasserbetriebenen Mühlen im Landkreis Konstanz hat sich Rainer Meschenmoser begeben. Sowohl die Anzahl als auch die Vielfalt der von ihnen gelösten Aufgaben haben ihn überrascht. Ebenso faszinierte ihn, wie sich diese ab dem 11./12. Jhdt. aus primitiven Anfängen letztendlich zu einer damaligen Vollkommenheit entwickelten, die heute noch erstaunt. Mit der Auflösung des Mühlenbanns und –zwangs im 19. Jhdt. sowie der danach einsetzenden Konzentration auf größere Betriebseinheiten begann der allmähliche Niedergang des Mühlengewerbes. Dieser Prozess beschleunigte sich dann im 20. Jhdt. infolge der rasant fortschreitenden Industrialisierung und Globalisierung.
Grundlegende Veränderungen der Sichtweise auf die Entstehung der Konstanzer Fasnacht hat als Folge jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Thema Herbert Hofmann miterlebt. Er fühlt sich jetzt dazu bereit und verpflichtet, zum 125jährigen Jubiläum der Kamelia Paradies nunmehr gewissermaßen den 1. Teil der Entstehung der Konstanzer Fasnacht nachzuliefern, dessen 2. Teil bereits als Festschrift 1986 für die Kamelia Paradies vorliegt (Konstanzer Fasnacht. Konstanz 1985). Ein facettenreicher Aufsatz über die unterschiedlichen Ursprünge dessen, was wir heute pauschal mit Fasnet bezeichnen.
Was hat das „Kloster Petershausen“ seit seiner Gründung 983 bis zum Abzug der Französischen Streitkräfte 1977 nicht alles erlebt! Willi Sutter, mit der eigenen Familiengeschichte schon früh auf diese Stätte gestoßen, hat sich intensiv mit ausgewählten Aspekten dieser Geschichte beschäftigt und ist nicht stehen geblieben bei einer trockenen historischen Aufzählung. Er erzählt nicht nur von den Kirchenbauten, dem Klosterbetrieb, sondern auch von der aufregenden Geschichte bis zur Säkularisation. Er geht der durch Aufhebung und Abriss der Klosterkirche nötig werdenden völlig neuen rechtsrheinischen Kirchenlandschaft nach („kirchenlose“ Zeit seit 1831, Notkirchen, St. Gebhard, St. Suso), geißelt die unverantwortliche Verschandelung der Gebhardskirche durch den behördlich geduldeten Kulturvandalismus der 1960er-Jahre. Auch zu den militärischen Kapiteln in der „Klostergeschichte“ (1850-1977) gibt er wichtige Hinweise.
Kleinere Ergänzungen sind noch vorgesehen.
14.06.2010 Dieter Städele
|